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Ausgeh-Tipp: in Artà an der Schranke

Fahrradfahrer, Touristen, Einheimisch – im "Pas a Nivell" im Nordosten von Mallorca treffen sie alle aufeinander. Früher war hier eine Eisenbahn-Werkstatt
27-08-2017 23:00
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Die alte Schranke ist Teil der Caféterrasse. Auch im Inneren des „Pas a Nivell

Die alte Schranke ist Teil der Caféterrasse. Auch im Inneren des „Pas a Nivell" erinnert vieles an die Vergangenheit des Gebäudes. Foto: Sophie Mono

Natursteinmauern stützen die hohen Wände, Dachbalken tragen die spitz zulaufende Decke. Die Blicke der Gäste, die das „Pas a Nivell" in Artà im Nordosten von Mallorca betreten, wandern automatisch nach oben. „Die rot-weißen Muster da oben haben wir per Hand gemalt", sagt Maria Francisca Pascual, die alle nur Xisca nennen, und beeilt sich hinzuzufügen: „Aber am Gebäude selbst haben wir nichts geändert."

Sechs Jahre ist es her, dass die Mallorquinerin das Lokal am alten Bahnhof von Artà eröffnete. „Früher wurden hier drin die Züge repariert und instand gehalten", weiß sie. Genau 40 Jahre ist das her. Damals, als die Gemeinde im Insel­osten noch durch eine Eisenbahnstrecke mit Manacor verbunden war. Doch als diese im Jahr 1977 nach 56 Jahren Zugbetrieb stillgelegt wurde, verloren auch die Bahnhofsgebäude ihre Bedeutung.

„Wir sind nicht die Ersten, die es hier mit Gastronomie probieren. Unser Vorgänger betrieb hier eine Bar, davor war es ein Pub, und davor eine Lagerhalle für Marmor", erinnert sich Xisca. Sie ist in Artà geboren, kennt das Gebäude schon, seit sie denken kann. „Es hat mich immer angesprochen", sagt sie. Als 2011 bekannt wurde, dass ihr Vorgänger aufhören will, hatte sie die Entscheidung schnell getroffen: Hier soll ihr Lokal hinein.

Es war die richtige Entscheidung. Im Jahr 2015 eröffnete die Landesregierung die Via Verde, jenen Spazier- und Radweg, der entlang der alten Bahntrasse verläuft – und der direkt vor dem „Pas a Nivell" endet. „Viele Ausflügler führt es dann zu uns", bestätigt Xisca.

So auch die Gruppe deutscher Radfahrer, die sich an einem der kleinen Tische niedergelassen haben. Interessiert betrachten sie die riesige antik anmutende Uhr. „Nein, die ist leider nicht mehr aus der Zeit, als hier noch Züge fuhren", gibt Xisca zu. „Aber die Schranke draußen auf der Caféterrasse, die ist echt." Immer wieder bleiben Touristen davor stehen und schießen Fotos mit dem Schlagbaum, dem das Lokal seinen Namen zu verdanken hat.

Auch über die Preise kann man nicht meckern. Für 3,50 Euro gibt es eine große Portion pa amb oli – die Spezialität des Hauses, die es in allen möglichen Ausführungen gibt. Hinzu kommen täglich rund fünf verschiedene Menüs. Donnerstags ist Tapas-Abend.

Ein reines Touristenlokal ist aus dem „Pas a Nivell" trotz der Via Verde nicht geworden. „Morgens kommen hier die älteren Mallorquiner aus dem Dorf vorbei, um ihren Kaffee zu trinken und zu schwatzen", sagt Xisca und schmunzelt. Abends seien es dann die jüngeren Leute aus dem Ort, die sich an der langen Theke ein paar copas gönnen. Dicht macht Xisca oft erst weit nach
Mitternacht. Nur die Schranke draußen, die bleibt immer oben.

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