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Hotel Araxa: Stilvoll in Son Armadans

Wie bitte? In einem Hotel in Palma sind 2015 Szenen eines nun für den Oscar nominierten Filmes gedreht worden? Wenn man sich im Araxa umschaut, ist das nicht weiter erstaunlich
23-02-2017 09:18
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Einquartieren

  • Übernachtung mit Frühstück im DZ mit Balkon im März: 90 Euro (ohne Balkon 81 Euro, EZ 61 Euro) bei Buchung unter www.hotelaraxa.com. C/. Pilar Juncosa, 22. Tel.: 971-73 16 40. Kinder unter 14 Jahren sind nicht erwünscht.
Wer sich dem Hotel Araxa in Palmas grünem und ruhigem Viertel Son Armadans nähert, begibt sich auf eine Zeitreise zurück in die 60er- und 70er-Jahre. Die metallenen Balkonstreben des Drei-Sterne-Hauses mit Flair und 72 Zimmern sind – wie das damals schick war – filigran, der auffallend luftige Bau des Architekten Francesc Mitjans (1909–2006) besticht durch klare Formen. Die Innenräume hat Eigentümer Enrique Grauches mit allerlei Möbeln aus jener Zeit vollgestellt – eine Musiktruhe der deutschen Marke Prinz etwa, mehrere Plattenspieler und in der sonnendurchfluteten Bar Sitze mit den auffallend schmalen, langen und runden Holzbeinen. Hinzu kommen bunte Kacheln und typische Spiegel.

Dass ein solches Ambiente Filmleute begeistern kann, ist nicht verwunderlich. Im Mai 2015 drehte ein schwedisches Team hier an drei Tagen Flitterwochen-Szenen für „Ein Mann namens Ove". Der Film von Hannes Holm erzählt mit schwarzem Humor von einem Sonderling, der sich immer wieder umbringen will, es aber nicht schafft, und ist für den Oscar als bester nicht englischsprachiger Film nominiert. Preisverleihung ist am 26. Februar im Kodak Theatre in Los Angeles. „Das Team war von der Architektur und der Einrichtung des Hotels hellauf begeistert", erinnert sich Enrique Grauches. Er sitzt an einem Tisch in der Bar, der Mitarbeiter hinterm Tresen ist so perfekt gekleidet, als könnte er den „Casablanca"-Klassiker „As Time Goes By" aus dem Effeff summen.

Ins Auge stechen im Araxa vor allem die vielen an Gitter erinnernden weiß gestrichenen Steinkonstruktionen neben den Balkons, ein Markenzeichen des Architekten Mitjans. Der Katalane – Erbauer unter anderem des berühmten Camp-Nou-Stadions in Barcelona – hatte das Gebäude 1958 errichtet. Auch das inzwischen vom schwedischen Hotelier Mikael Landström restaurierte Haupthaus des in Gehweite gelegenen Mallorca Tennis Clubs stammt von ihm.

„Meine Familie kaufte dieses Hotel im Jahr 1978 von einem gewissen Pedro Munt", erinnert sich Grauches. Sein Vater Juan hatte davor ebenfalls in Son Armadans jahrzehntelang eine bescheidene Pension namens Casita Blanca betrieben, die vor allem junge Leute und ein stadtbekanntes Nachtlokal namens Club 33 beherbergte. Dem kleinen Enrique gefiel es, dort durch die Gänge zu wetzen. In dem Gebäude befindet sich heute das Vier-Sterne-Haus Isla de Mallorca.

Die Familie hatte ziemlich genaue Vorstellungen, was aus dem Araxa werden sollte: „Die Idee war immer, es weder minimalistisch noch luxuriös aussehen zu lassen", sagt Grauches. „Uns ging es darum, ein möglichst einladendes Ambiente zu schaffen." Seit jeher bewirbt die Familie das Haus als Oase der Ruhe in der Großstadt – ein Anspruch, der beim Anblick des lauschigen Pools im Garten durchaus gerechtfertigt erscheint. Gern hätte es Enrique Grauches auch gehabt, wenn die Stadtverwaltung ihm erlaubt hätte, den Frühstücksraum und die Rezeption ganz im Sinne von Architekt Mitjans als ein großes und helles Areal zu belassen. „Doch das Gesetz schreibt zwingend vor, dass der Essensraum abgetrennt werden muss", sagt der Hotelbesitzer. Deswegen ließ er widerwillig eine separate Wand einziehen.

Mit der Zeit wurden zunehmend stilbewusste Nordeuropäer auf das Araxa aufmerksam. Aus Schweden, Dänemark und Norwegen kamen immer mehr Gäste. „Vor etwa sieben Jahren drehte hier schon einmal ein schwedisches Filmteam", sagt Enrique Grauches. „Da es um das Thema Tourismus ging, fragten sie mich, ob ich mich als ­Hoteldirektor selbst spielen würde." Er sagte gern Ja.

Die Gäste erfahren erst auf Nachfrage Anekdoten und sonstiges Wissenswertes rund um das Gebäude. „Francesc Mitjans bemerkte bei den Bauarbeiten zu spät, dass er die Wasserleitungen in den Wänden ganz vergessen hatte", weiß Enrique Grauches. Danach habe alles wieder aufgerissen werden müssen. Anderes ­verzapfte Mitjans vorsätzlich: „Um das streng Geometrische zumindest etwas zu stören, hat er kaum eine gerade Wand hier eingebaut." Auch manch eine scheinbar gerade Zimmerdecke habe Mitjans – um dem Bau eine irritierende Note beizufügen – ganz bewusst schief konstruieren lassen. „Richtig rechte Winkel gibt es hier kaum."

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