Nachrichten | Gastronomía

Die Traubenvielfalt Mallorcas

Ein neues Buch stellt die hiesigen Rebsorten, ihre Geschichte und ihre Eigenarten vor
22-03-2017 00:00
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Von Alleluia bis Vinater Negre. Foto: Archiv

Von Alleluia bis Vinater Negre. Foto: Archiv

Die autochthonen, also nur auf Mallorca wachsenden Trauben haben in den vergangenen Jahren extrem an Bedeutung gewonnen. War man früher eher fokussiert auf fremde, vornehmlich französische Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah und vergaß da­rüber den „Traubenschatz" der Insel, ist man jetzt wieder stolz auf eigene Gewächse. Das Umpfropfen etwa von Cabernet-Weinstöcken auf die hiesige Sorte Callet ist mittlerweile bei vielen Bodegas gängiges Prozedere. Nicht zuletzt, weil die Winzer erkannt haben, dass man sich mit einzigartigen Weinen besser auf dem Weltmarkt positionieren kann. Das kommt auch bei den Weinliebhabern gut an, die ja ohnehin mit „Mallorca" zumeist Positives verbinden.

Doch nur wenige der autochthonen Trauben sind „autorisiert". In Zeiten der Europäischen Union, die nahezu alles regelt, was, wie und wo produziert und in den Verkauf gelangt, hat es viel Geduld bedurft bis neben den Klassikern Manto Negro und Premsal Blanc auch andere Sorten wie Callet, Fogoneu, Malvasia de Banyalbufar sowie zuletzt Giró Ros, Gorgollassa und Escursac offiziell angebaut und zu Wein verarbeitet werden durften. Dafür eingesetzt haben sich vor allem die Winzer Andreu Oliver (Can Majoral), Araceli Ribas (Bodega Ribas) und Toni Gelabert (Bodega Toni Gelabert). Sie experimentieren schon seit Langem auf ihren Weinbergen mit alten, in Vergessenheit geratenen mallorquinischen Trauben.

„Der Autorisierungsprozess von der ersten Eingabe bis zur Akzeptanz der Behörden in Madrid und den hiesigen Behörden unter Berücksichtigung der EU-Vorgaben dauert bis zu zehn Jahre", schildert Julio Torres Antolin. Der Vize-Präsident der Sommeliervereinigung hat selbst zehn Jahre für die Bodega Galmes i Ribot gearbeitet und sich dort mit den Trauben Gorgollassa und Escursac beschäftigt.

Nun ist unter der Schirmherrschaft des balearischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt ein Buch erschienen, das alle Traubensorten der Balearen auflistet und beschreibt: „Varietats de vinya de les Illes Balears". Erarbeitet wurde es von Antoni Martorell, José Mariano und weiteren Mitarbeitern des Instituto de Investiga­ción y Formación Agraria (IRFAP), die Fotos stammen von Marian Miró García und einigen der Autoren. Sie alle liefern auf 148 Seiten Informationen zur Geschichte des Weins auf den Inseln, den Eigenschaften und dem Anbau der autochthonen Rebsorten sowie ihrer Sensorik und ihres Potenzials für den Ausbau.

Dabei sind interessante Details zu erfahren, beispielsweise mit welchen Rebsorten Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Weine gemacht wurden oder welche Rebsorten- und Gewächse heutzutage bei der „Banc de germoplasma vitícola" einer Art Genbank gehütet werden.

Insgesamt werden 28 Keltertrauben-Sorten vorgestellt – von Al·leluia bis Vinater Negre (beide nicht autorisiert). Davon dürfen offiziell bislang nur acht genutzt werden. Weitere zehn analysierte Traubensorten werden ausschließlich als Tafeltrauben verzehrt. Um jede Traube perfekt zu beschreiben und zu analysieren, wurden die Rebsorten auf Versuchsfeldern mit Hilfe auch des Saatsgutes der Genbanken in Madrid und Jérez
angebaut.

Für Weinliebhaber besonders interessant ist der sensorische Teil, der Farbe, Aroma und Geschmack der Trauben kurz beschreibt. Auch für Winzer, die sich bislang kaum mit hiesigen Trauben beschäftigt haben, ist das Buch hilfreich, zumal es auch das Potenzial der einzelnen Trauben beschreibt.

„Langfristig können diese Informationen natürlich auch dabei helfen, neue Sorten genehmigen zu lassen", glaubt Torres, schließlich habe alles eine wissenschaftliche Basis.

Doch bis sich die Weinfreunde auf neue offizielle Tropfen mit weiteren autorisierten Trauben freuen können, wird noch einige Zeit vergehen: Aktuell lägen die Gutachten zu den Rebsorten Argamussa, Callet Negrella, Esperó de Gall, Giró Negre und Mancès de Tibús bei den zuständigen Behörden in Madrid, sagt Julio Torres. „Aber weil nach der ersten Erlaubnis eine zweite experimentelle Pflanzperiode von mindestens drei Jahren folgt, rechne ich erst in circa fünf Jahren mit der Genehmigung für neue Trauben."

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