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Meerfenchel: leckerer Überlebenskünstler

Von der Gischt getränkter Sonnenanbeter: Die Sukkulente schmeckt nicht nur Mallorquinern
19-03-2017 00:00
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Unverzichtbare Beilage zu einem zünftigen „pa amb oli

Unverzichtbare Beilage zu einem zünftigen „pa amb oli": Meerfenchel. Foto: Nele Bendgens

Er wächst fast unscheinbar an vielen Küstenabschnitten Mallorcas, ist in kargen Felsspalten am Ufer zu Hause: der Meerfenchel (fonoll marí, kat., hinojo marino, span.). Und zwar immer dort, wo er mit der Gischt des Wassers in Kontakt kommt. So eine salzhaltige Dusche macht ihm nämlich rein gar nichts aus. Im Gegenteil: Der Meerfenchel braucht sie zum Leben. Und ordentlich Sonnenschein dazu! Auf viel Erde hingegen kann der kleine Überlebenskünstler gut verzichten.

Meerfenchel erinnert besonders wegen seiner blassgelben Blüten, die er im Sommer und Herbst dem Himmel entgegenreckt, ganz entfernt an wilden Fenchel. Daher rührt der Name. Man findet ihn nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch am Schwarzen Meer, auf Madeira und den Kanarischen Inseln. Selbst in Irland und Schottland ist das unverwüstliche Gewächs verbreitet.

Auf Mallorca bin ich der Sukkulente mit ihren fleischigen, blaugrünen Blättern schon oft begegnet, selbst in Palma findet man sie am Meer, wenn man einen Blick dafür hat! Die Inselbewohner legen Meerfenchel – einmal geerntet – traditionell in eine Salz- oder Essiglake ein. Serviert wird er dann zum Beispiel mit dem berühmten pa amb oli, dem Brot mit Öl. In der Inselküche landet er auch noch in anderen Gerichten: So gibt er arròs brut oder auch Salaten Würze. Aber er muss natürlich nicht immer in der mallorquinisch-klassischen Version auf den Tisch kommen. Ich finde, dass dieser Doldenblütler auch ganz ausgezeichnet zu gegrilltem Fisch passt. Oder aber auch zu einem cremigen Reis.

Die Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Crithmum maritimum kann man dünsten oder kurz kochen, selbst roh kann sie verzehrt werden. Wie sie schmeckt? Etwas herb, herrlich nach Meer, und manchmal hat sie etwas Frisches, Zitroniges. In der lukullischen Welt ist Meerfenchel übrigens ganz und gar kein Neuling. Er ist mindestens seit der Antike bekannt. Und im Mittelalter galten die sauer eingelegten Blätter als besondere Delikatesse.

Der Sonnenanbeter hat aber längst nicht nur kulinarische Stärken! Wegen der enthaltenen ätherischen Öle und Spurenelemente wie Jod und Brom nutzt man ihn zum Beispiel seit Urzeiten auch für medizinische Zwecke. Appetitanregend und blutreinigend soll er sein. Zudem werden ihm noch eine Reihe weiterer heilender Wirkungen zugeschrieben. So soll er die Leber- und Nierenfunktion unterstützen.

Und dann trumpft er auch noch mit wertvollen Aminosäuren, Flavonoiden und vor allem einem hohen Vitamin-C-Gehalt auf, weshalb das Kraut die Abwehrkräfte stärkt und in früheren Zeiten von Seeleuten als Schiffsproviant mitgenommen wurde. Die für die Gesundheit so wertvolle Pflanze half, der gefürchteten Skorbut-Krankheit vorzubeugen, wenn die Männer lange mit ihren Booten unterwegs waren. Und sie hatte ja noch einen großen Vorteil: Das Wildkraut konnte von jedermann am Meeressaum geerntet werden. Wie heute.

Cremiger Reis mit Meerfenchel und Gambas aus Sóller

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