Nachrichten | Gastronomía

Gezerre um den Mallorca-Wein

Die Insel-Winzer wollen strengere Qualitätskriterien für den Vi de la Terra Mallorca festlegen. Darüber herrscht Einigkeit. Zwist gibt es über das Wie
30-11-2016 00:00
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Experten sollen den Vi de la Terra auf den Geschmack testen. Foto: DM

Experten sollen den Vi de la Terra auf den Geschmack testen. Foto: DM

Die Idee war im Ansatz gut, bei der Umsetzung ist dann aber einiges schiefgegangen. Die Rede ist vom Vorhaben eines Großteils der mallorquinischen Winzer, einen gemeinsamen Aufsichts- und Kontrollrat für den Markennamen „Vi de la Terra Mallorca" ins Leben zu rufen. Damit sollten verbindliche Qualitätsstandards für die vielen mallorquinischen Weine sichergestellt werden, die nicht unter den großen auf der Insel geschützten heimischen Herkunftsbezeichnungen DO Binissalem und DO Pla i Llevant zusammengefasst sind. Praktischer Nebeneffekt: Eine Vermarktung im Ausland dürfte mit einem gemeinsamen Siegel, allgemein gültigen Standards und Mallorca im Namen leichterfallen.

Die Sache schien klar, doch es kam zum Streit. Jetzt müssen in einer im Prinzip eng zusammenarbeitenden Branche, die sich nach übereinstimmender Auskunft aller Beteiligten bisher gut verstanden hatte, verletzte Eitelkeiten heilen und Zerwürfnisse wieder gekittet werden.

Bereits vor fünf Jahren endete ein erstes Treffen in einem kleinen Desaster. Schnell verworfen wurde die Idee, für Mallorca eine gemeinsame DO zu schaffen. Das wäre zwar theoretisch möglich, doch dann müssten sowohl Binissalem als auch Pla i Llevant auf ihre DO verzichten – und das wollten weder die einen noch die anderen.
So versuchte man es mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Die Vereinigung der Petits Cellers, also der kleineren Bodegas, wagte vor zwei Jahren noch einmal einen Vorstoß für einen Kontrollrat für die bereits eingeführte Markenbezeichnung „Vi de la Terra Mallorca". Man wollte ein Siegel schaffen, das in Spanien eine Stufe unter der DO angesiedelt ist und sich indicación geográfica protegida nennt. Dieses muss nicht die in mancherlei Hinsicht penibel strengen Auflagen einer DO erfüllen. Weil es inzwischen richtiggehend in Mode gekommen ist, auf Mallorca Wein zu produzieren, haben die Alteingesessenen Angst um ihren Status – und befürchten einen Qualitätsverlust durch die auf den Markt drängenden neuen Weinproduzenten, die, so ihr Verdacht, den inzwischen guten Namen des mallorquinischen Weins nutzen könnten, um mit qualitativ minderwertigen Produkten ordentlich Kasse zu machen. „Vor 20 Jahren waren wir 13 Weingüter auf der Insel, heute sind es über 70", sagt der Präsident der Petits Cellers, Andreu Oliver, im Gespräch mit der MZ.

Mit einem Kontrollgremium könnte minderwertiger Konkurrenz leichter der Kampf angesagt werden. Bisher werden die Weine mit dem Label „Vi de la Terra Mallorca" lediglich einer chemischen Prüfung unterzogen und nicht von einem Komitee von Experten auf den Geschmack getestet. Die Petits Cellers wollen für ihren Wein unbedingt diese sogenannte organoleptische Prüfung erreichen. „Sie sagt tatsächlich etwas über den Geschmack aus, denn der Wein kann chemisch völlig korrekt zusammengesetzt sein, aber trotzdem furchtbar schmecken", erklärt Oliver. Seine Petits Cellers sind in den vergangenen Jahren zu einem stattlichen Kollektiv geworden. 37 Keltereien firmieren inzwischen unter diesem Begriff. Und sie produzieren laut Oliver jetzt bereits mehr Wein als DO Binissalem und Pla i Llevant zusammen.

Die Petits Cellers einigten sich also vor rund zwei Jahren mit den Vertretern des Kontrollgremiums der DO Pla i Llevant auf die neue Aufsichtsinstanz für den mallorquinischen Wein. Die DO Binissalem habe davon hingegen nichts wissen wollen. Das ist die Version von Andreu Oliver. Wenn man José Luis Roses, den Präsidenten des Kon­trollgremiums der DO Binissalem von der Bodega Luis Ferrer fragt, hört sich das anders an. Roses räumt ein, dass man zwar am Anfang ablehnend reagiert habe, inzwischen aber sehr wohl Teil des Aufsichtsgremiums über den Landwein sein wolle. „Wir haben das eigentlich im Juli 2016 im gemeinsamen Dialog auch so ausgemacht", wundert sich Roses. Im August sei dann trotzdem nur die DO Pla i Llevant vom Landwirtschaftsministerium mit der provisorischen Bildung des Gremiums beauftragt worden. Die DO Binissalem fühlt sich jetzt ausgeschlossen.

Bei der Regierung versteht man das Problem nicht so recht. „Es gab nur einen Bewerber um das Kon­trollgremium, und das war die DO Pla i Llevant. Da uns außerdem die Petits Cellers gebeten haben, diese Arbeit Pla i Llevant zu überlassen, war für uns die Sache klar", erklärt Mateu Ginard, General­direktor im Landwirtschaftsministerium, der zwar am Telefon neutral bleibt, doch den Sinneswandel der DO Binissalem offenbar nicht ganz nachvollziehen kann.
Jedenfalls ging alles seinen Gang: Der Aufsichtsrat der DO Pla i Llevant wurde mit der Erstellung des sogenannten Zensus beauftragt, also der Registrierung aller Weingüter, deren Vertreter sich dann innerhalb eines Jahres zur Wahl stellen können, um daraus den endgültigen Kontrollrat zu bilden. „Und der hat dann mit Pla i Llevant gar nichts mehr zu tun. Da kann sich jeder aufstellen und wählen lassen, der einen Weinberg oder ein Weingut besitzt", sagt Ginard.

Also genauso gut auch Vertreter der DO Binissalem. Es ginge streng genommen nur um dieses eine Übergangsjahr.
Wie oft in solchen Fällen könnte hinter der schlechten Laune bei der DO Binissalem das liebe Geld stecken. Denn der Auftrag für die DO Pla i Llevant bringt eben auch Einnahmen mit sich, die die chronisch klammen Vereinigungen bestens brauchen können. Dass man sich in einem Jahr für die Posten im neuen Gremium bewerben könne, ist für Roses ein schwacher Trost. „Wir wollen von Anfang an mit dabei sein, da es sich um ein Projekt des gesamten Sektors handelt. Es ist doch absurd, uns als Einzige hier auszuschließen." Man habe auch Einwände gegen die Entscheidung an die Regierung geschickt, die allerdings unbeantwortet geblieben seien. „Dabei sind wir ja überhaupt nicht gegen die Kontrollinstanz, ganz im Gegenteil", ereifert sich Roses.

Viel Wirbel also um eine Zertifizierung, die dem gesamten Sektor zugutekäme. Schließlich könne man im Ausland eine Marke besser bewerben, wenn es einheitliche Qualitätsstandards gäbe, wie Ginard erklärt. „Ein eigener Aufsichtsrat für diese Weine kann autonom Werbung für die Bezeichnung machen und sich außerdem um
EU-Fördermittel bewerben." Auch insofern geht es ums Geld.

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