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Ausstellung: Best-of Inselgeschichte im Dorfmuseum

350 Exponate des Museu de Mallorca werden für zwei Jahre bei Sa Nostra gezeigt. Jetzt müssten sie nur noch richtig erklärt werden
16-05-2012 23:00
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Was Eroberer, Einwohner und Durchreisende auf Mallorca in den vergangenen 2.000 Jahren getrieben haben, das lässt sich neuerdings im Kulturzentrum Sa Nostra in Palma (C/. Concepció, 12) zumindest erahnen. Dort ist die Ausstellung €Essència i presència del Museu de Mallorca" (Essenz und Präsenz des Museu de Mallorca) eröffnet worden: Rund 350 Stücke sollen Mallorcas Geschichte verdeutlichen.

Die Exponate sind Leihgaben des ethnologischen Museu de Mallorca, das seit sechs Jahren wegen Renovierung geschlossen ist. Es sei das Best-of einer großen Sammlung, die im Besitz öffentlicher Institutionen ist und deshalb der Bevölkerung nicht länger vorenthalten werden sollte, wie Isabel Cerdà sagt, verantwortlich für Jugend und Kultur in der Regionalregierung. 200.000 Euro hat ihre Abteilung für den Umzug bekommen. Die Leihgabe ist für zwei Jahre vereinbart.

Die Essenz der Inselgeschichte besteht aus Hausrat, Schmuck, Werkzeug, Waffen, Dekoration und Gemälden. Die Objekte sind chronologisch ausgestellt: Vorgeschichte und Frühgeschichte, Römerzeit und Spätantike, Mittelalter, Barock und Jugendstil. Die jüngsten Exponate sind Keramiken der Palmesaner Werkstatt La Roqueta, entworfen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Viele der Stücke seien international begehrt, sagt die Leiterin des Museu de Mallorca, Joana Maria Palou, stolz, €wir werden oft um Leihgaben gebeten". Gerade die Krieger seien immer wieder verliehen worden, erzählt ­Palou, denn sie gehören weltweit zu den am besten erhaltenen Bronzeskulpturen ihrer Ära. Auch der in Búger gefundene €Cap de Bou", nicht zu verwechseln mit den Stierköpfen aus Costitx, sei ein Kleinod.

Doch leider erfahren die Besucher beim Rundgang nicht viel über die Bedeutung dieser lediglich mit kurzen Beschreibungen versehenen Exponate. Katalog oder Faltblätter fehlen.

So stehen kleine Bronzekrieger aus Sant Llorenç oder Sóller neben einem kleinen Stierkopf aus Búger, liegen eiserne Helme aus Artà und Valldemossa (alles 4. bis 2. Jahrhundert vor Christus) neben einem durchlöcherten Tongefäß zur Käseherstellung aus Llucmajor (1.800 bis 1.600 vor Christus). Welche Hände haben sie benutzt? Wer hat sie gemacht? Man erfährt es nicht.

Selbst beim geführten Rundgang für die Journalisten drängt sich die Einsicht auf, dass ­Mallorca wieder einmal seine Schätze nicht zu vermarkten weiß. Die Sammlung belegt, dass die Insel jahrhundertelang ein kulturelles Zentrum der Mittelmeerregion war € präsentiert wird sie wie in einem Dorfmuseum.

Es hakt offensichtlich auch bei der Vernetzung. Jüngst, so erzählt Palou, habe das Museum of Modern Art in New York (MoMA) eine ­Ausstellung eröffnet, zu der sie etwas Wichtiges hätte beitragen können, wenn sie denn gefragt worden wäre: Im MoMA wird derzeit byzantinische Kunst des Hochmittelalters gezeigt, darunter Halbreliefs des sogenannten Grado-Stuhles. Der Thron des ersten Bischofs von Alexandria war mit geschnitzten Elfenbeintafeln verziert. €Die Tafeln sind auf der ganzen Welt verteilt", sagt Palou, und zeigt auf eine davon: Mallorca war mit den Frühchristen verlinkt.

Auch den berühmten tresoret hat Joana Maria Palou ausgewählt. Der Schatz hat vermutlich einer jungen Muslimin gehört, die im 12. Jahrhundert in Sencelles ­lebte. Dort wurde in den 80er Jahren in einer Höhle eine Tonvase gefunden, randvoll mit Gold und Silber: Ketten, Ohrringe, Münzen. Warum die Frau ihre Aussteuer versteckte, ist unbekannt.

Kein Geheimnis wird indes bleiben, wie die Römer beim Bau ihrer ersten Ansiedlung auf Mallorca vorgingen. 3.000 Kisten Ausgrabungsmaterial sind beim Bau des Krankenhauses Son Espases € €Hochpalma" wie die Gegend einmal hieß €, abgetragen worden. Das Material wird Archäologen jahrzehntelang beschäftigen.

Für die Ausstellung hat Palou Helmspitzen und Reitersporen ausgewählt, auch Bleilote zum Straßen- und Häuserbau, Stadtgründungstafeln, Weihrauchgefäße und abgenutztes Tongeschirr der Soldaten. All das verdeutlicht, wie sich die Römer nach zweijährigem Kampf gegen balearische Steinschleuderer etwa 120 vor Christus auf der Insel eingerichtet haben.

Deutschsprachige Führungen wären wünschenswert, denn sie helfen, Mallorca mit anderen Augen zu sehen: Auf der Insel herrscht schon lange reges Kommen und Gehen, nicht erst seit dem Aufkommen der Mittelmeersehnsucht.

Der Eintritt zur Ausstellung ist gratis. Öffnungszeiten: Mo - Fr 11 - 20 Uhr , Sa 11 - 14 Uhr.

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