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Filmexpertin Kelly Leow: "Festivals brauchen Zeit, um ihre Identität zu finden"

Die Singapurerin Filmjournalistin ist Jurorin beim diesjährigen Evolution Mallorca International Film Festival
27-10-2017 08:10
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Kelly Leow ist in diesem Jahr Jurorin für die Spielfilme beim Evolution Film Festival. Foto: Leow

Kelly Leow ist in diesem Jahr Jurorin für die Spielfilme beim Evolution Film Festival. Foto: Leow

Die Singapurerin Kelly Leow ist in diesem Jahr Jurorin beim Evolution Film Festival. Hauptberuflich arbeitet sie seit vier Jahren beim US-Branchenmagazin „Movie Maker Magazine". Dort setzt sie sich unter anderem mit den Möglichkeiten junger Filmemacher auseinander, in der Branche Fuß zu fassen. Sandra Seeling-Lipski, die Gründerin und Leiterin des Evolution Film Festivals, lernte Leow beim Mammoth Lakes Film Festival kennen, das jedes Jahr im Mai in Kalifornien stattfindet, und wo die Journalistin ebenfalls als Jurorin tätig war. „Sie hat sich an mich erinnert und gefragt, ob ich in diesem Jahr in Palma dabei sein will", sagt Leow. Auf Mallorca ist sie vom Eröffnungstag des Festivals (26.10.) bis zum 31.10.

Welchen Ruf hat das Evolu­tion Mallorca International Film Festival außerhalb von Europa?
Das ist schwer zu sagen. Da ich mich bei meiner Arbeit mit dem Filmgeschäft auseinandersetze, war es mir schon ein Begriff, aber das ist kaum objektiv.

Im „Movie Maker Magazine" erstellen Sie jährlich eine Liste mit 50 Festivals, die sich besonders für junge Filmemacher lohnen.
Eine Festivalbewerbung ist für Filmemacher häufig mit Kosten verbunden. Auch wenn die Einreichung 50 oder 100 Dollar kostet, summiert sich das mit der Zeit, vor allem, da nicht garantiert ist, dass der Film auch gezeigt wird. Wir machen deshalb die Liste, um den Filmemachern zu zeigen, wo sich diese Investition lohnt.

Nach welchen Kriterien gehen Sie da vor?
Da gibt es unterschiedliche Faktoren. Etwa das Verhältnis von eingereichten zu gezeigten Filmen. Oder wie viele Workshops es gibt, welche Chancen für Networking. Auch die Frage, ob das Festival die Reise und die Unterkunft zahlt, spielt natürlich eine wichtige Rolle. Und ob und in welcher Form es Preise gibt. Gibt es Geld oder etwa Sachpreise? Inwieweit wird über das Festival in der Presse­ berichtet?

Wie schneidet das Evolution Film Festival dabei ab?
Das Evolution hat es noch nicht in die Liste geschafft. Das liegt zum einen daran, dass wir uns hauptsächlich auf nordamerikanische Festivals konzentrieren. Aber auch daran, dass dies jetzt erst die sechste Ausgabe ist. Festivals brauchen Zeit, um ihre Identität zu finden. Aber das ist natürlich auch der Grund, warum ich den Job als Jurorin akzeptiert habe: Ich möchte mir direkt vor Ort ein Bild machen, um zu sehen, wie bei diesem Festival gearbeitet wird. Ich bin schon sehr gespannt.

Wie unterscheiden sich europäische und nordamerikanische Filmfestivals?
Ich glaube, einer der größten Unterschiede ist die Finanzierung. Festivals in Europa können eher mit öffentlichen Geldern und Subventionen rechnen, während praktisch alle Festivals in den USA privat finanziert sind. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es bei nordamerikanischen Filmfestivals häufig etwas mehr um Prestige geht, als es in Europa der Fall ist.

Wie viel Arbeit bereitet der Job als Jurorin?
Ich bin für drei Kategorien zuständig: bester Film, beste Schauspielerin, bester Schauspieler. Das heißt, ich werde alle 12 Spielfilme sehen. Allerdings schaffe ich es nicht, sie alle vor Ort zu sehen, sondern werde auch einige streamen. So kommen rund 20 Stunden Film zusammen. Das ist allerdings auch nichts Ungewöhnliches für mich: Ich schaue bestimmt drei oder vier Filme pro Woche. Eine große Vorbereitung brauche ich für das Festival aber nicht.

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