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Kinder auf Mallorca im Festivalfieber

15. Kinder- und Jugendfestival FIET in Vilafranca. Nicht nur Eltern und ihr Nachwuchs sind gut beraten, dafür andere Termine sausen zu lassen
18-10-2017 13:40
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Eines der Highlights in Vilafranca: „Ooparte

Eines der Highlights in Vilafranca: „Ooparte" von der Kompagnie Tresperte aus Andalusien. Foto: Tresperte

In Vilafranca de Bonany beginnt am Donnerstag (19.10.) wieder die Fira de Teatre Infantil i Juvenil (FIET). Festivals gibt es auf Mallorca viele, in den meisten Fällen aber handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Konzerten, Filmen, Aufführungen. Ein richtiges Festival, das ist etwas anderes: die Verdichtung von Kunst und Kultur an einem Ort, in einem begrenzten Zeitraum. In Vilafranca de Bonany, einem Dorf in der Inselmitte, in das es einen sonst eher selten verschlägt, gelingt das. Und dafür lohnt es sich, kommendes Wochenende nicht nur auf die eine oder andere Kindergeburtstagseinladung zu verzichten.

Ein Festival, das bedeutet zunächst einmal Auswahlmöglichkeiten, kritische Masse. 63 Inszenierungen sind dieses Jahr in Vilafranca zu sehen, von 43 Kompagnien: Rekord! Viele davon kommen aus Katalonien – „schlicht und einfach, weil die dort so verdammt gute Sachen machen", sagt Festivalpräsident Jaume Gomila –, aber es sind ebenso welche aus Andalusien, Valencia, Madrid oder Asturien dabei und natürlich von den Balearen. Mehrere der Inszenierungen haben schon Preise gewonnen. Es gibt Rotkäppchen mal andersrum („Caperucita € lo que nunca se contó" aus Kastilien und León), Tanz, Schatten­theater, Pantomime, Akrobatik, Straßentheater, Zirkus €


Erfahrungsaustausch und Kontaktbörse

Ein Festival, das heißt auch: Die Künstler sind leibhaftig vor Ort. Man kann sie vor, während oder nach ihren Darbietungen erleben, mit ihnen ins Gespräch kommen. Das gilt zunächst für die Mitwirkenden selbst: Ein Festival ist Erfahrungsaustausch, Kontaktbörse, Vergleichsmöglichkeit, Marktplatz für Künstler und Veranstalter. Man kennt sich, man lernt sich kennen, man kennt sich aus. Festivals sind ein Zusammentreffen von Menschen, die eine Leidenschaft teilen – das sprachliche Bild mit der knisternden Atmosphäre trifft es gut. Im beschaulichen Vilafranca ist davon tatsächlich etwas zu spüren.

Ein Festival, das ist ebenso sein Publikum. Das FIET geht bereits in die 15. Ausgabe, was auch heißt: Viele kleine und große Menschen sind nicht zum ersten Mal da, sie sind aus allen Ecken und Enden (der Insel) angereist, sie haben womöglich schon auf diese Tage hingefiebert. Man rückt in Familienstärke an, man trifft Freunde und Bekannte, man läuft sich immer wieder über den Weg. Beim FIET sind natürlich auch viele Kinder dabei, also Menschen mit hohem Spaßfaktor und Chaospotenzial.


Möglist Gutes ansehen

Ein Festival, das ist zugleich immer auch ein bisschen Stress und Hektik: die Stücke auswählen, die Karten bestellen und abholen, die Eile, um von einem Veranstaltungsort zum nächsten zu kommen (dieses Jahr ist erstmals auch eine Werkshalle dabei). Schließlich will man nichts verpassen und sich möglichst Gutes ansehen (und weiß doch schon im Vorfeld, dass nicht alles gut sein wird).

So ein Festival hat auch ein Festivalbüro; der Ort, an dem alle Fäden zusammenlaufen. In Vila­franca befindet es sich auch in diesem Jahr wieder an der Hauptstraße. Hier gibt es Tickets und Akkreditierungen, hier haben Mitwirkende und Journalisten ihre Fächer, hier gibt es T-Shirts, Anstecker und Pros­pekte. Vor allem: Hier wirbeln die Veranstalter herum. Denn ein Festival, das sind auch seine Macher. Das FIET wird von einem harten Kern von drei Festangestellten und drei ehrenamtlichen Mitarbeitern gestemmt, mit einem Budget, das 2017 etwa 120.000 Euro beträgt.


Die Bürger sind Teil des Festivals

An den vier Festivaltagen kommen noch an die 150 Helfer hinzu. Die meisten stammen aus Vila­franca selbst. Auch das macht ein Festival aus: der Ort, an dem es stattfindet. Die Wege führen von der Schule in die Turnhalle in das Restaurant in den Theatersaal auf den Spielplatz in die Dorfbar.

Idealerweise sind die Ortsansässigen Teil des Festivals, nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Helfer und Gastgeber. In Vilafranca ist das ganz unmittelbar der Fall: Die meisten Ensemblemitglieder übernachten in Privathäusern, werden dort kostenlos von den Familien des Dorfes beherbergt. Nach einem Besuch auf der FIET sehen sie, aber auch die Zuschauer dann Vilafranca de Bonany mit ganz anderen Augen – und freuen sich bereits auf die nächste Ausgabe. Denn Festival, das ist auch die Vorfreude darauf.

Programm und Tickets unter: http://fiet.cat/programa

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