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Manfred Schoof: ein Herz und eine Seele für den Jazz

Die deutsche Musikerlegende in der Kulturfinca: Schoof ergründet auch mit 81 Jahren noch eine Begabung, die von innen kommt
02-10-2017 23:00
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In seinem Element: Manfred Schoof an der Trompete. Foto: Knauth

In seinem Element: Manfred Schoof an der Trompete. Foto: Knauth

Als Manfred Schoof erst neun Jahre jung war – der Zweite Weltkrieg endete gerade –, wandte er sich der Musik zu. Sein Vater – der Magdeburger verlor ihn früh – hatte zu Manfreds Mutter gesagt, dass der Junge das Klavierspiel lernen ­müsse. Unbedingt.

Er hatte Schoofs musikalische Begabung erkannt. „Hinzu kam immer stärker der Drang, genau das tun zu müssen", so der inzwischen 81-jährige Jazz-Trompeter, der am Sonntag kommender ­Woche (8.10.) in der Kulturfinca Son ­Bauló auftritt. „Man muss eine gewisse ­Regung in sich spüren, um ein guter Künstler sein zu können", sagt Schoof, der zu den Gründervätern des Free Jazz in Deutschland gerechnet wird und seit Jahrzehnten in Köln wohnt, wo er auch bis vor Kurzem an der Hochschule für ­Musik als Professor wirkte.

Der Jazz-Avantgardist, der besonders viel Gefühl in seine Stücke legt und auch das Flügelhorn und das Kornett beherrscht, will bei frühherbstlicher mallorquinischer Wärme im lieblichen Mittagslicht – das Konzert beginnt bereits um 13 Uhr – Contemporary Jazz darbieten. „Die Gäste können sich auf moderne Stücke freuen, die ich mit Herz und Seele spiele", sagt er.

Schoof versteht sich als deutscher Jazzer der zweiten Generation. „Nach dem Krieg ging es damit los, inzwischen ist dieser Stil eine tragende musikkulturelle Säule nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und weltweit." Die Jazz-Musiker der ersten Genera­tion – Max Greger, Paul Kuhn, Albert Mangelsdorff oder James Last – hätten diesen Weg geebnet. „Es ist faszinierend, wie viele Möglichkeiten Contemporary Jazz ermöglicht, sich musikalisch auszudrücken." Das geschehe in Deutschland inzwischen nicht mehr als pure Unterhaltung mit einigen wenigen Leuten, sondern auch in Form von großen Konzerten.

Nach Jahrzehnten der Hingabe zum Jazz interessierte sich Manfred Schoof zunehmend auch für das Komponieren von Melodien fürs Fernsehen – bis hin zum Kuriosen. „Ich vertonte viele Folgen der ,Sendung mit der Maus'", sagt er. „Und auch für das 'Morgenmagazin' der ARD habe ich 20 Jahre lang komponiert."

Als Musiker kam Manfred Schoof viel in der Welt herum – unter anderem ging es für das Goethe-Institut nach Brasilien, Uruguay und Venezuela. Doch am wohlsten fühlen sich der Künstler und seine Frau auf Mallorca. Seit 1994 verbringen sie jedes Jahr eine längere Zeit im Herbst, Winter oder Frühling auf der Insel. Schon zuvor – ab 1987 – hatte es Schoof regelmäßig auf die Insel gezogen. „Ich erinnere mich noch, wie wir bei Santanyí eine Finca ohne Strom und fließend Wasser und nur mit Kerzenlicht bewohnten", sagt er. Später zog das Ehepaar nach Port d'Andratx – zunächst in ein gemietetes, dann in ein gekauftes Heim. Wie sehr ihn die Wahlheimat noch heute beflügelt, davon können sich die Kulturfinca-Gäste überzeugen. Schoof spielt zusammen mit ­Sebastián Raimundo am Piano, Toni Beltrán an den Trommeln, Marko Lohikari am Bass und ­Roger Machon am Saxofon.

Kulturfinca, 8.10., Eintritt 18 Euro, Brunch: 22 Euro, Anmeldungen unter Tel.: 971-52 42 06.

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