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Jimmy Carr auf Mallorca: Frontal-Komiker im Beamten-Outfit

Der Witze-Erzähler macht vor nichts halt. Das machte ihn zum Star
20-08-2017 23:00
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Wenn Jimmy Carr sein Grinsen aufsetzt, kann sich der Zuschauer auf Witze der tabulosesten Art einstellen. Foto: Facebook

Wenn Jimmy Carr sein Grinsen aufsetzt, kann sich der Zuschauer auf Witze der tabulosesten Art einstellen. Foto: Facebook

Bei Jimmy Carr reicht es vollkommen, wenn er sekundenweise sein irres Lachen aufsetzt, dazu dieser seltsam gläserne Blick und sein Publikum weiß sofort: Carr wird den Bogen gleich wieder überspannen. Der 1972 in London als Sohn irischer Eltern geborene britische Top-Komiker wirkt dabei auf den ersten Blick wie ein Staubsaugervertreter, Patent- oder „Finanzbeamter" („Wiener ­Presse"), der in Anzug und adrettem Hemd nur dafür arbeitet, irgendwann Rente zu bekommen.

Doch wenn Jimmy Carr den Mund aufmacht und er seine zumeist politisch völlig unkorrekten Witze erzählt, die nur so aus ihm hervorsprudeln, dann ist es schnell vorbei mit dem ersten Eindruck eines spießigen und humorlosen 08/15-Typen. Der ehemalige Marketing-Mann des Ölkonzerns Shell, der an der feinen Cambridge-Uni Sozialwissenschaften und Politik studiert hatte, wurde mit dieser Masche nach seiner ersten, lediglich 15 Minuten dauernden Performance im Dezember 1999 in einem Pub in Plymouth über die Jahre zu einem der berühmtesten Comedians seines Landes. Es gelang ihm sogar wiederholt, von Talkshow-Gott Jay Leno in dessen bekannte TV-Sendung in die USA eingeladen zu werden.

Und jetzt schlägt dieser Top-Witzeerzähler, der 2006 mit dem British-Comedy-Award ausgezeichnet wurde und von sich selbst sagt, noch mit 26 Jahren Jungfrau gewesen zu sein, auf Mallorca auf. Am 23. August will er seine Insel-Fans im Auditorium in Palma de Mallorca treffen.

Es gehört zu Carrs Profi-Identität, sich wegen allzu krasser Einlagen auch mal öffentlich verbal ohrfeigen zu lassen. So wie etwa 2011, als er sich ungeniert einen Witz über Kinder mit Down­syndrom erlaubt hatte. Ob Homo- oder Transsexuelle, Frauen, die Kirche oder Päderasten – Carrs bissige, ohne jeglichen Zusammenhang aneinandergereihten Witze, die meist als „Oneliner" (Einzeiler) daherkommen, lassen so gut wie gar nichts aus. Zwei seien hier referiert: „Alte Männer nehmen Viagra nicht, weil sie impotent sind, sondern weil die alten Frauen so hässlich sind." Oder: „Man sagt, Katzen haben neun Leben. Das macht sie besonders interessant für Experimente."

Um die Leute nicht mit allzu viel hintereinander erzählten „Jokes" zuzukleistern, lockert Jimmy Carr seine Stand-up-Shows gern mit provokanten Gesprächen mit Zuschauern auf. Oder mit Zeichnungen, die der Meister zum Gaudium der Gäste auf eine Leinwand projiziert.

Jimmy Carrs Art des ­Witzemachens machte ihn so bekannt und reich, dass Großbritanniens damaliger Premier David Cameron den Komiker im Jahr 2012 per Statement von einer G-20-Sitzung aus Mexiko öffentlich beschuldigte, Steuern in Millionenhöhe auf grenzlegale Weise am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Vorausgegangen war ein Enthüllungsbericht der Londoner „Times". Darüber spricht der sonst so redselige Witzeerzähler ungern. Stattdessen lobt er sich selbst: „Ich habe noch nie jemanden getroffen, der mich nicht mochte", sagte Carr einmal dem „Independent". Und im normalen Leben sei er ohnehin viel sanfter als auf der Bühne, wobei er darauf Wert lege, „immer lustig" zu sein. Jimmy Carr bezeichnete sich gegenüber der Zeitung in diesem Zusammenhang als Mainstream-Komiker, der ein bisschen rebellisch sei. „Ich mag dunkle Dinge".

Mit seinem überdrehten britischen Humor kommt Jimmy Carr inzwischen auch jenseits englischsprachiger Länder gut an. Nach einem Auftritt des Komikers in Zürich im Frühling 2016 wunderte sich der Schweizer Blogger „kulturmutant" folgendermaßen: „Die Hütte ist derart voll, dass man für ein Bier 20 Minuten anstehen muss." Und er war durchaus angetan vom Können des Komikers: Carr sei „auf das schockierte Lachen aus, auf den Widerstand des Publikums". Zu loben sei an ihm, dass er selbst „Ziel vieler seiner eigenen Witze ist – nicht nur, wenn er sich als pädophil oder rassistisch ironisiert". Das ist neben der leicht durchgedrehten Mimik eigentlich Grund genug, sich schon einmal emotional auf seinen Auftritt vorzubereiten.

Jimmy Carrs aktuelle Show heißt „The Best of Ultimate Gold Greatest Hits World Tour". Sie beginnt im Auditorium am Paseo Marítimo um 22 Uhr. Karten gibt's für 29 bis 35 Euro unter www.auditorium.com oder der Telefonnummer 971-73 47 35

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