Nachrichten | Agenda

Das auf Steinen gebaute Lebenswerk von Rolf Schaffner

In Santanyí eröffnet eine dem Bildhauer gewidmete Dauerausstellung
19-08-2016 23:00
0 Stimmen
Ausstellungsmacher: Ingrid Flohr, Nora Braun, Ricards Vicens und Damià Rigo mit einem Brunnenmodell Schaffners. Foto: Schirmer

Ausstellungsmacher: Ingrid Flohr, Nora Braun, Ricards Vicens und Damià Rigo mit einem Brunnenmodell Schaffners. Foto: Schirmer

Fleißig bohren die Handwerker am Mittwochvormittag (17.8.) Löcher in die Wand des kleinen Hinterhauses der Casa de Cultura in Santanyí. Es wird knapp bis zur Vernissage, aber das ist nicht selten bei Ausstellungs­eröffnungen. Bis zur letzten Minute wird gearbeitet.

Wenn die Gäste am Samstag (20.8.) um 10 Uhr eintreffen, soll eine Dauerausstellung eröffnet werden, die angesichts der Bedeutung des Künstlers für Santanyí längst überfällig ist: Sie ist dem 2008 verstorbenen Bildhauer Rolf Schaffner gewidmet. Der Deutsche hatte, mit zeitweiligen Unterbrechungen, 50 Jahre lang in der Gemeinde im Südosten der Insel gewirkt.

Schaffner ist besonders für seine großformatigen Skulpturen bekannt. Etwa die monumentalen Steinfiguren auf dem Privatgelände Son Danús, die er in seiner Anfangszeit in den 60er-Jahren fertigte und die heute bei Führungen besichtigt werden können. Schaffner war nach Mallorca gekommen, um vom Münchner Kulturbetrieb Abstand zu nehmen und weil er hier die Möglichkeit sah, Skulpturen in die Landschaft zu bauen. Zudem war er vom Santanyí-Stein begeistert, der sich gut bearbeiten lässt und wenig porös ist. Andere seiner Projekte waren etwa Brunnen in Palma oder auch eine Kirche in Cala Figuera.

Schon aus Platzgründen passen die großen Skulpturen natürlich nicht in den Raum in der Casa de Cultura. Insgesamt werden 15 kleine Werke Schaffners in der Dauerausstellung zu sehen sein. Sie stammen aus dem Fundus der Kölnerin Nora Braun, die Schaffner jahrelang begleitete und seinen Nachlass verwaltet. „In Schaffners kleinen Werken zeigt sich seine meditative Seite", sagt Braun, die Schaffner 1990 kennenlernte.

Seine größeren Werke sind in der Ausstellung mit Fotos vertreten. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei seinem Projekt Equilibrium zu. Es ­besteht aus fünf Stelen, die zwischen Santanyí und Trondheim, zwischen Wolgograd und Cork und mit Köln in der Mitte ein überdimensionales Kreuz über Europa spannen. Schaffner wollte damit ein Zeichen des Friedens und der Demokratie setzen. Bei einem internationalen Jugendtreffen soll der Grundgedanke dieses monumentalen Werkes ausgelebt werden. Bereits vor zwei Jahren trafen sich Jugendliche aus den fünf Städten auf Initiative des Norwegers Gerhard Dalen in Trondheim. In diesem Jahr ist Santanyí dran. „Wir hoffen, dass wir das Projekt alle zwei Jahre weiterführen können", sagt Santanyís Kulturdezernentin Ricarda Vicens.

Die Jugendlichen werden neben ein paar touristischen ­Sta­tionen und Besuchen an den wichtigsten Orten, die mit Schaffner zu tun haben, vor allem über die aktuelle Situation Europas sprechen. Wie sehen Jugendliche aus Wolgograd oder Köln den Brexit? Wie nehmen Teenager in Santanyí russische Hooliganangriffe bei der EM oder den Terror in Paris wahr?

Damit beleuchten sie auch Schaffners politische Seite. Der 1927 in Schwenningen (Baden-Württemberg) geborene Künstler hat besonders nach seiner Rückkehr nach Mallorca in den 80er-Jahren vor dem Ausverkauf der Insel und der Zerstörung der Landschaft durch den Massentourismus gewarnt. Eine seiner eindrucksvollsten Skulpturen aus dem Jahr 1990, mit dem recht unmissverständlichen Titel „Fünf vor zwölf" versehen, setzt sich damit auseinander. Und auch die „Zeugen am Weg" lassen sich so interpretieren. Dabei handelt es sich um elf steinerne Stelen, die auf der Landstraße von Santanyí nach Campos auf Höhe von ­Kilometer 47 zu sehen sind. Trotz der vielen Touristen auf Mallorca und in Santanyí sei es aber „nicht Sinn der Sache", mit der Ausstellung an Schaffners Mahnung vor den Folgen des Booms zu erinnern, so Kulturdezernentin Vicens.

Stattdessen konzentriert man sich in dieser Hommage auf die elaborierten, teilweise sogar verspielten Arbeiten eines ­introvertierten Künstlers, dessen Leben und Werk eine viel größere Bekanntheit verdient hat. Und auch wenn die kleineren
Arbeiten in der Bedeutung nicht mit den großen Skulpturen mithalten können, sind sie doch eine Einladung, sich dem Lebenswerk eines Menschen zu nähern, der ein außerordentliches Gespür dafür hatte, Natur und Kunst miteinander verschmelzen zu lassen.

Rolf Schaffner – Col.lecció Nora Braun, Dauerausstellung, Casa de Cultura Ses Cases Noves, C/. de s'Aljub, 22, Vernissage am 20.8. um 10 Uhr.

Compartir en Twitter
Compartir en Facebook

VERANSTALTUNGEN SUCHEN