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Die Magie der Johannisnacht

Mit feuerspuckenden Bestien und feuersprühenden Teufeln feierte Mallorca die Johannisnacht. Was die Rituale vor der Kathedrale und an den Stränden der Insel bedeuten
21-06-2016 23:00
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Das Ereignis, nicht nur auf Mallorca

Ciutadella ist eine Stadt, in der fast das ganze Jahr über kaum etwas los ist – außer am 23. und 24. Juni. Dann tanzen in dem menorquinischen Ort die Pferde – ein Ritual, das im 14. Jahrhundert wurzelt. Das Fest beginnt damit, dass sich etwa 200 Reiter durch die Straßen voller Menschen bewegen. Sie repräsentieren die Stände Adel, Klerus, Handwerk und Bauerntum. Die Pferde und ihre Reiter drehen auf den extra mit Sand bedeckten Straßen kunstvolle Figuren. Die Zuschauer versuchen, die Tiere durch Klatschen und Zurufe dazu zu bringen, zu steigen – kein ungefährliches Unterfangen. Hebt ein Pferd seine Vorderhufe in die Luft, so springen Zuschauer herbei und stützen es, damit es die Bewegung möglichst lange hält. Den turbulenten Feierlichkeiten schließt sich eine Reitermesse in der Kapelle Sant Joan de Missa außerhalb von Ciutadella an.

Die Klänge, die das Erlebnis abrunden

Es heißt, dass man in der Johannisnacht fast wie von selbst Gitarre spielen lernt, wenn man sich um punkt 0 Uhr unter einem Feigenbaum platziert. An den Inselstränden stehen diese Gewächse nicht, dafür wird rund um die zahlreichen Feuer musiziert und getanzt. Es werden besonders Lieder gespielt oder gehört, die mit dem Feuer zu tun haben. „Light my Fire" von den legendären „Doors" etwa. Oder der Song „Fire" des unvergessenen Jimi Hendrix. Oder die Ballade „Fiesta Pagana" der spanischen Heavy-Folk-Rock Band Mägo de Oz, die keltisch anmutet und die nichtchristlichen Wurzeln der Feiern in Erinnerung ruft. In mehreren Orten der Insel wie dem Namenspatron-Dorf Sant Joan, in Son Servera oder Muro spielen – wie jedes Jahr am 23. Juni – Musiker auf, es wird in den Straßen getanzt.

Das Feuer, das reinigt und befreit

Das Feuer am Strand ist in der Johannisnacht nicht dazu da, um einfach drum herum zu sitzen, in die Gegend zu glotzen und glücklich zu sein. Dem seit Jahrhunderten gültigen Brauchtum zufolge schüttet man um Mitternacht entweder einen Schluck Wein in die Flammen, verbrennt etwas hässliches Abgelegtes, nicht mehr zur Gegenwart gehörendes darin – etwa die Liebesbriefe einer ehemaligen Freundin oder alte Schuhe – oder schreibt auf einen Zettel all das, mit dem man in Zukunft gar nichts mehr zu tun haben möchte. Während man das bewerkstelligt, sollte man entweder übers oder dreimal um das Feuer hüpfen. Diese Rituale wurzeln in grauester vorchristlicher Vorzeit und sind ein Akt der Reinigung, der Befreiung vom Bösen. Wobei das Feuer bekanntlich auch im Christentum eine große Rolle spielt: Jesus nannte sich das Licht der Welt, Gott erscheint Moses als brennender Dornbusch.

Service: So sind sie bei der Feier auf Mallorca zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Das Wasser, das die Zukunft schöner macht

Neben dem Feuer spielt das Meer die zentrale Rolle in der Johannisnacht. Die meisten erlauben sich lediglich ein Bad darin. Viele mögen das als reinen Spaß sehen, doch eigentlich ist es – wie auch die mit dem Feuer verbundenen Handlungen – ein Reinigungsritual. Doch es garantiert auch Gesundheit für das kommende Jahr. Besonders Abergläubische kleiden sich ganz in Weiß, stellen sich mit dem Rücken zur Brandung und werfen drei Münzen ins Wasser. Wenn eine Frau dann noch rückwärts neunmal über die Wellen springt, soll das die Fruchtbarkeit fördern. Nicht so sehr auf Mallorca, aber in Andalusien, ist es auch üblich, sich das Gesicht zu waschen, um für sich längeres junges Aussehen zu erwirken.

Der Heilige, den das Ganze in Ehren hält

Derjenige, dem die eigentümlichen Sommer-Festivitäten gewidmet sind, ist Johannes der Täufer. Der, der die Welt auf die Ankunft Jesu Christi vorbereitete. Er soll an einem 24. Juni geboren worden sein. Um 28 n. Chr. wirkte er der Bibel zufolge in Galiläa und Judäa. Die Johannisnacht ist ein klassisches Beispiel für Glaubens-Verschmelzung: Die Sommersonnenwende (eigentlich am 21.6.), die Feier der kürzesten Nacht des Jahres, war in vorchristlichen Zeiten ein wichtiges Fest. Dann wurde es mit der Geburt des Johannes verbunden. Einer breiteren Zahl von Menschen ist nicht so sehr das Leben, sondern sind die verstörenden Umstände seiner Hinrichtung bekannt: Die Tochter der Frau von König Herodes namens Salome soll den Kopf des Täufers als Belohnung für einen Tanz gefordert und erhalten haben.

Das Knall-Ritual, das noch gar nicht so alt ist

Zur Johannisnacht gehören in vielen Inseldörfern seit einigen Jahren Feuerläufe. Die correfocs wurden erst nach dem Tod des Diktators Francisco Franco beliebt. In Palma stellt den Umzug der tanzenden Teufel (dimonis) seit 1988 die Nachbarschaftsvereinigung Veïns del Puig de Sant Pere im Parc de La Mar auf die Beine. Dieser Lauf ist der größte auf der Insel. Etwas mehr als 200 Teufel werden auch jetzt wieder dabei sein. Es wird ab 22 Uhr eine Stunde lang geknallt, mitwirken werden auch wohlbekannte Figuren wie der feuerspeiende Drache Drac de Na Coca. Vor dem correfoc finden Aufführungen des Volkstanzes Ball de Bot und ein Programm für Kinder statt, am 24. Juni geht abends ein Konzert mit lokalen Gruppen über die Bühne.

Fotogalerie: So sah die Nacht im vergangenen Jahr aus

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